MEHR ÜBER SHELTER

Shelter wurde historisch als etwas Vorübergehendes definiert. Es wird jedoch immer deutlicher, dass sich ein hybrider Begriff jenseits kultureller Grenzen heraus bildet, der auf einen permanenten Shelter-Zustand verweist. Es geht nicht mehr um Schutz im wörtlichen Sinn, sondern um eine Vielfalt von Mechanismen, anhand derer wir uns mit der Welt auseinander setzen. Ist shelter in der Kultur des 21. Jahrhunderts, einer Kultur der Zwischenräume, die von den Erfahrungen der ständigen Bewegung, der Desorientierung und der Hypermediatisierung gekennzeichnet ist, zu einer Geisteshaltung geworden, zu einer mobilen Gemütsverfassung? Ist shelter ein konkreter Ort, oder eine kaum greifbare Vorstellung von miteinander verknüpften Erfahrungen und Beziehungen—die Summe der eigenen gelebten Erfahrung? Wie beeinflussen unsere kulturellen Narrative unsere Vorstellungen von shelter? Wer hat Zugang zu shelter, und wer nicht? Wann ist shelter lebensaffirmierend, und wann wird es zu einem Zwang?

THE SHELTER PROJECT behandelt diese und andere Fragen aus einer Vielfalt von Perspektiven und stellt Projekte vor, in welchen der Bezug der Kunst zur Schnittstelle des Persönlichen und Politischen zum Ausdruck kommt. Es geht um ein provokantes Thema, das im Zentrum vieler Debatten steht—Privatsphäre vs. Sicherheit, displacement, Rassismus, Sexismus, Xenophobie, Identität, Zugehörigkeit—, und das sich implizit oder explizit in den meisten gesellschaftlichen Dialogen wiederfindet und das tägliche Leben sowohl direkt als auch unterschwellig beeinflusst.

Wie verstehen wir shelter in einer Welt, die sich durch permanente Veränderung und zunehmende Instabilität auszeichnet? SHELTER befreit diese Universalthema der Gegenwart, das sich jenseits konstruierter Grenzziehungen wie Nationalität, Rasse, Gender, und Alter befindet, aus seinen Verpackungen. In der Ausstellung und dem Rahmenprogramm aus Performances und Vorträgen werden unterschiedliche Interpretationen und Positionen vorgestellt—Antworten, die bald direkt und bald indirekt, mehr metaphorisch als wörtlich, und meistens ziemlich überraschend sind. Was die einzelnen Arbeiten verbindet ist das Menschliche. Anstatt Stellungnahmen abzugeben, die als richtig oder falsch eingeordnet werden könnten, bietet THE SHELTER PROJECT eine Verlängerung der eigenen Definition—eine psychologische, politische, philosophische und kulturelle Erkundung eines sehr persönlichen Themas, und der Kräfte, die unsere jeweils eigene Beziehung mit ihm gestalten.

Unser Begriff von shelter ist in ständiger Entwicklung. Durch einen offenen Austausch von Ideen und Kunstwerken untersucht THE SHELTER PROJECT wie unsere kollektiven Erfahrungen von shelter sich mit herkömmlichen Vorstellungen von Ort und Identität vertragen oder auch nicht, und bringt dabei neue Fragen und Ideen zu den immer wichtigeren Implikationen des Zusammenlebens auf der Welt hervor.

Victoria Hindley