After 800 Meters, Take the Motorway
Video, 2009
Die Straße bietet eine Art mobilen, vorläufigen, vorübergehenden Ort der Zuflucht (shelter) für die fahrende Gesellschaft unserer Zeit, die ständig “auf Achse” ist, unterwegs, auf Reisen. Diese Arbeit macht den Verlust der Privatsphäre deutlich, und zeigt, wie das Satellitennavigationssystem GPS in das Private vordringt (im Video eine Stimme, die uns permanent anweist, nach links, rechts usw. zu fahren). Die unaufhörliche Suche nach Freiheit führt paradoxerweise zu neuen Beschränkungen. Die Zuflucht (shelter), die unser Auto bietet, und die Vorstellung, „davon zu kommen“ werden in Frage gestellt: Die mit Automusik vermischte GPS-Stimme kann entweder als Trost spendende Begleitung auf der einsamen Straße oder als grobe Grenzverletzung verstanden werden.
Bianco stellt international aus und betreibt Ateliers in Malta, Belgien und Großbritannien. Sie studierte Kunst an Universität Malta und an der University for Creative Arts, GB. Neben ihrer künstlerischen Arbeit, ihren Ausstellungen und ihrer kuratorischen Arbeit ist sie auch Lektorin in Kunst & Design am Department of Architecture & Urban Design an der Universität Malta, Gastlektorin im MA Fine Art an der University for the Creative Arts, GB, und Research Faculty am Transart Institute. >>site
JEAN MARIE CASBARIAN / VIDEO / USA
The Return
Video, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
Found Footage einer kürzlich durchgeführten Rettungsaktion bildet den Hintergrund für die Worte Samuel Becketts. Unterdessen setzt sich The Return mit der Vorstellung von shelter und den prekären Grenzen zwischen zwei Welten auseinander.
Casbarian ist eine internationale Installationskünstlerin. Sie erwarb ihren MFA an der Milton Avery School of Art am Bard College in New York. Neben einer Nominierung für die Louis Comfort Tiffany Foundation wurden ihr zahlreiche Auszeichnungen und Residencies zuerkannt, u.a. auch ein Stipendium der französischen LaNapoule-Stiftung. Ihre Arbeiten wurden in den USA und anderen Ländern ausgestellt. Sie ist Professorin für Atelierkunst am Transart Institute, sowie Lehrende am MFA-Programm des ICP-Bard Colleges und am General Studies Program des International Center of Photography in New York. >>site
MIRANDA CLARK / FOTOGRAFIE / USA
Untitled
Digitale Fotografien, 2009
Clarks Fotografien bilden einen häuslichen Zufluchtsort (shelter) ab. Der Gegenstand wird durch Fenster und Spiegelungen sowie innerhalb der Wände ihres Zuhauses betrachtet. Themen wie Isolation und Eingeschlossensein werden dabei gegenwärtig.
Clark besitzt einen BA in Soziologie und Atelierkunst der Colgate Universität sowie einen MFA des Transart Institute. Mit Fotografie, Video, Performance und laufende Untersuchungen manipuliert sie die rituellen Standards von Verlangen, Fantasie und Konsum. >>site
SIMON DONOVAN / MIXED MEDIA / ARIZONA, USA
Umbrella
Mixed Media, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
Donovan’s Umbrella wurde speziell für diese Ausstellung gefertigt und symbolisiert Schutz (shelter) vor verbalen Angriffen aufgrund sexueller oder geschlechtlicher Identität. Das heißt: Schutz durch eine dicke Haut und durch die Inbesitznahme von Wörtern wie queer als Mittel der Eigenmacht und zur Abwehr von Beleidigungen. Umbrella ist im buchstäblichen und bildlichen Sinn ein Schutz-Schild.
Donavan ist Künstler, Narr und Provokateur. Er arbeitet derzeit an seiner Autobiografie Cavalcade of Humiliation (Prozession der Demütigung). Er weiß, dass er nicht unbedingt bedeutend genug ist, um diese Memoiren rechtzufertigen, da er aber von sich selbst besessen ist, schreibt er sie trotzdem. Er ist ein Macher von Objekten und Fotos, ein Darsteller, und ein Orgasmus-Vortäuscher. Groß in Worten, klein in Taten. Er führt öffentliche Kunstaufträge in Tucson, Arizona durch.
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NICOLAS DUMIT ESTEVEZ & JONNY FARROW / AUDIO / NEW YORK, USA
Candy (Wraps)
Audio, 2008–in progress
Candy (W)raps ist eine Weiterentwicklung von In His Shoes/ The More i Honor You the More You Bless me und besteht aus einer Umgebung, die es den ZuseherInnen ermöglicht, mit den Erfahrungen des „Prager Jesulein“ in Prag und der South Bronx in Verbindung zu treten und seine inneren Stimmen zu hören.
Über In His Shoes/The More i Honor You the More You Bless me:
Im Juni 2007 reiste Nicolás Dumit Estévez von seinem Zuhause in der South Bronx in die tschechische Republik, um das religiöse Symbol deren Hauptstadt, das viel bewunderte „Prager Jesulein”, zu verkörpern.
Estevez ist ein Künstler, der mit Performances, öffentlichen Interventionen und Kunst im Alltag arbeitet. Seine Arbeiten wurden in den USA und international ausgestellt, etwa an der Madrid Abierto/ARCO, der IX. Havanna Biennale, der PERFORMA 05 und 07, der IDENSITAT, der Prager Quadriennale, der Pontevedra Biennale, dem Queens Museum of Art, der P.S.1/MoMA Clocktower Gallery, dem Museo del Bario, dem Center for Book Arts, Franklin Furnace, und dem Lower Manhattan Cultural Council. Estevez wurde in Santiago de los Treinta Caballeros in der dominikanischen Republik geboren und lebt und arbeitet in der South Bronx, New York. 2010 wird Estevez im Rahmen von Born Again, einer öffentlichen Intervention, die für die Longwood Arts Gallery/BCA entwickelt wurde, im Bronx River zum Bronxite getauft werden. >>site
Farrow ist ein Klangkünstler, Komponist und Performer in Brooklyn, New York. Er arbeitet mit Außenaufnahmen, found sounds und den Klängen kleiner Objekte. Er besitzt einen Masters-Abschluss in Musikologie des City College of New York, ist stellvertretender Vorsitzender der New York Society for Acoustic Ecology, und hat für seine kollaborative Arbeit Musique d’ombre ein Stipendium ein Performance-Stipendium von Meet the Composer erhalten. Neuere Projekte und Performances sind Soundbox 1&2, Musique d’ombre, und die Soundwalk-Serien 40°, 73° im Rahmen des Canary Projects. Farrow hostet bzw. kuratiert auch häufig das Webradio-Programm „Giant Ear)))“, eine Sendung, die der Kunst der Außenaufnahme gewidmet ist. >>site
FISHPOOL / MIXED MEDIA, PERFORMANCE / ÖSTERREICH
House Available: IRREALITÄTENBÜRO
Mixed Media, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
Raum ist zu einem knappen Gut geworden. „Neoliberalistisch gedacht, muss Raum ökonomisch optimiert werden.“ [Wolfgang Müller-Funk, Uni-Standard, 29. April 2010: „Studentischer Lebensraum im Ausverkauf“ von Johannes Bode.] Andererseits besteht die Notwendigkeit, Raum für soziale, künstlerische und kulturelle Aktivitäten zu schaffen und zu erhalten. Fishpool geht daher ins Immobiliengeschäft: Lebensraum zu verkaufen! Im Rahmen von THE SHELTER PROJECT wird Fishpool Institutionen, Kulturdenkmäler und öffentliche Räume verkaufen. BesucherInnen können Anzahlungen für das Objekt ihrer Wahl leisten. Der Betrag wird einem Obdachlosenheim zur Verfügung gestellt.
Mitwirkende: Isabel Czerwenka-Wenkstetten, Claudia Dworzak, Katharina Grilj, Ani Mezaduryan, Christian Rupp, Christiane Spatt, Anne Suttner. >>site
NINA GOLDNAGL / FOTOGRAFIE / ÖSTERREICH
Untitled
Farbfotografien, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
Goldnagls Farbfotografien beschäftigt sich mit Orten, die früher Schutz boten—wo Menschen untergebracht waren. Orte, die einmal mit Leben erfüllt waren und jetzt verlassen sind. Orte erzählen Geschichten. Goldnagl ermutigt das Publikum, sich vorzustellen, was einst an diesen Orten geschah.
Goldnagl ist Kunstfotografin und hat einen BA der Parsons School of Design sowie einen MFA des Transart Institute. >>site
NIKI HAMPTON / MIXED MEDIA / USA
Untitled
Mixed Media, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
Für Hampton sind Orte vorübergehend, Andenken jedoch permanent. Ihre Arbeit für SHELTER besteht aus drei an die Wand genagelten Servietten aus wieder verwendetem Baumwollgewebe, in die die Namen “The White House”, “Schönbrunn Palace”, und “Versailles Château”—eingestickt sind.
Hampton arbeitet mit Baumwollprodukten (Papier, Faden, Stoff) und Nadeln. Ihre Arbeiten sind Ausdruck von Lebenserfahrungen und thematisieren häufig den Kontrast zwischen Größe und Bedeutungslosigkeit, zwischen opulenter Ästhetik und Grobheit. Sie besitzt einen MFA des Transart Institute. Ihre Fotografien New Yorker Graffiti sind in Rachel Goldbergs Buch Discovering De La Vega (2009) enthalten. Eine Auswahl ihrer Malereien ist für den Film Restless City vorgesehen, der voraussichtlich beim Sundance Festival 2010 Premiere haben wird. >>site
VICTORIA HINDLEY / FOTOGRAFIE / USA-ÖSTERREICH
Uninhabited
Silbergelatine- und Pigmentdrucke, Ongoing
“Es gibt eine andere Welt, und sie ist in dieser.” —Paul Éluard
Uninhabited beschäftigt sich mit städtischen Umgebungen, die stets außerhalb des Erreichbaren verbleiben, sei es im buchstäblichen oder im übertragenen Sinn: Schutz bietende Bauwerke (shelter), urbane Reste, unfertige Projekte—Hinweise auf frühere Inhalte, die in Artikulationen von Abwesenheit eingebettet sind. Uninhabited ist Teil eines größeren laufenden Projekts, das sich mit den Themen Verlust, Verlangen und Wahrnehmung im Zusammenhang mit urbanen Umgebungen befasst und den inneren Wandel von Städten untersucht.
Hindley ist Künstlerin, Schriftstellerin, und freiberufliche Kuratorin. Sie verwendet Strategien des Dekodierens, wie z.B. Dekontextualisierung, Aneignung und Abstraktion, um Stereotypen, kulturelle Obsessionen und institutionalisierte Konstrukte zu untersuchen. Sie arbeitet mit Fotografie, Sprache, Zufall, Brüchen und atypischen Buchformen und arbeitet häufig mit anderen KünstlerInnen zusammen. Sie studierte Kunst, Literatur und Semiotik in den USA und Europa und besitzt einen BA und einen MFA. Ihre Arbeiten sind international ausgestellt und gesammelt worden. >>site
RENEE KILDOW / FOTOGRAFIE / NEW YORK, USA
America’s Next Top Model
Farbfotografien, 2009
Für Kildow ist shelter eine einfache Struktur, die Schutz bietet und die sich auf die Begriffe der inneren und äußeren Wirklichkeiten bezieht. Wo das Äußere bedrohlich ist, ist man im Inneren sicher. Schutzräume (shelters) findet man im Allgemeinen im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, Kriegen und chaotischen Ereignissen. Ihr Zweck ist es, die Ordnung wieder zu erlangen und von innen neu aufzubauen. Kildows Arbeit bezieht sich jedoch auf Sets im Inneren von TV-Studios und setzt sich mit der Art auseinander, wie wir verschiedene Formen der Repräsentation assimilieren. Die Möglichkeit, die Grenzen der Repräsentation mit einer anderen Bedeutung zu versehen besteht darin, sie herauszufordern. In der Serie Next American Top Model sickert die Vorstellung von Reality-TV in die Sets ein, die Kildow dokumentiert, während sie gleichzeitig die Grenze zwischen innen und außen und ihr chaotisches Wirrwarr an Repräsentationen hervorhebt.
Kildows Arbeiten in der Filmbranche fließen oft mit ihrer eigenen künstlerischen Arbeit mit Fotografie und Video zusammen. Ihre aktuelle Arbeit spricht Fragen nach dem Wesen der Wahrnehmung an. Durch eine nuancierte Gegenüberstellung von Bildern werden kulturelle Wahrnehmungen von Identität, Schönheit, Klasse, Prominenz und Illusion offen gelegt. Renee besitzt einen BFA in Malerei des Massachusetts College of Art. Sie erhielt den Massachusetts Artist Foundation Award sowie zahlreiche Residencies, und hat an vielen Orten ausgestellt. Sie war ursprünglich Malerin und Bildhauerin und arbeitet mittlerweile vorwiegend mit Fotografie und Video. >>site
KNOLL + CELLA / FOTOGRAFIE / USA
Inside Out
Farbfotografien, 2009
Welchen Sinn haben Wurzeln, wenn man sie nicht mitnehmen kann? – Gertrude Stein
So sehr Heimat auf Orte bezogen ist, Geburts- und Kindheitsorte, Orte des Glücks, Orte, an denen man lebt, wohnt, arbeitet, Familie und Freunde hat – letztlich hat sie weder einen Ort, noch ist sie einer. Heimat ist Nichtort, ou topos. Heimat ist Utopie. – Bernhard Schlink
KLAUS: Wir haben nicht das gleiche Wort: Cella’s home deckt sich nicht mit meiner Heimat. Sie beneidet mich um etwas, was ich vor langer Zeit verloren habe. Wir verbinden jeweils eigene Vorstellungen mit dem Wort, wenn wir von Wurzeln und anderen unterirdischen Absichten sprechen. Manche Erfahrungen sind dennoch vergleichbar, jenseits aller kulturellen und sprachlichen Grenzen: Exil, Heimatlosigkeit, ihr frühes Verlangen nach Normalität und mein alter Hass darauf. Home/Heimat ist der Mittelpunkt dieser Arbeit – die in der Fantasie ebenso wie die schmerzlich fehlende. Das Spiel mit Projektionen verweist auf Täuschung und visuelle Wahrnehmung, sowie auf die fließenden Grenzen dazwischen. Das Verschmelzen von innerer und äußerer Welt, die gegenseitige Penetration getrennter Räume ist nicht ohne einer bestimmten erotischen Komponente.
CELLA: Diese Bilder zeichnen eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Zuhause auf. Von Orten, an denen ich gelebt oder geschlafen habe, oder an denen ich mir vorstelle, zu leben, Camera obscuras zu machen ist eine/meine Vorstellung der Verkörperung eines Ortes, eines Raums (eine Art Außenhaut). Die Herstellung einer Camera obcura ist eine Form, das Äußere nach innen zu bringen (eine Art Internalisierung, die dem Wurzel schlagen einer Pflanze nicht unähnlich ist). Die wirklichen Räume nähren den Wunsch, dort hinzugehören, wo ich mich befinde, nach einer Art Zuhause, und die Bilder dokumentieren diese Handlungen.
Knoll+Cella arbeiten seit 1998 an Projekten zusammen. Klaus’ Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Ludwig Museums, Köln; der Bibliotèque Nationale, Paris, und der Österreichischen Fotosammlung; gemeinsame Arbeiten mit Cella im Museum Moderner Kunst, Salzburg. Ausstellungen im Tokyo Shinjuku Nikon Salon, Berlin Brennpunkt/DGPh, Alfred-Lowenherz-Galerie, New York; gemeinsam mit Cella im Museum Moderner Kunst in Salzburg und dem Art Complex Museum in Boston. Er hat ein Doktorat in Literatur von der Universität Salzburg. Sie hat einen MFA in New Media and Cultural Studies des Vermont Cellege und leitet das internationale MFA-Programm des Transart Institute in Berlin und New York. Knoll+Cella waren zuletzt Gastkünstler am Visual Studies Program der Lingnan University in Hong Kong. >>site
LUIS LARA MALVACÍAS / CHOREOGRAFIE, PERFORMANCE / VENEZUELA
Movable Objects
mit den Performern Luis Malvacías, Ivo Bol, und Jeremy Nelson
Movable Objects ist eine Klang-, Performance- und Tanzinstallation, die sich mit den Themen der unfreiwilligen Migration, der Anpassung und der Erinnerungen auseinander setzt. Die Arbeit bezieht sich auf die ständigen Veränderungen, welche unfreiwillige MigrantInnen täglich erleben. Die mit unfreiwilliger Migration verbundenen Erfahrungen—Trennung, Zuhause, Übergang, das Gefühl des Schocks, aber auch die Freude über die neue Erfahrung, die mit der früheren konkurriert—sind in unserer Welt allgegenwärtig. Die Forderung nach Integration und die Notwendigkeit, eine neue Sprache zu erlernen gehören zu den Kämpfen, die unfreiwilligen MigrantInnen im Zuge der Anpassung an eine neue Kultur erleben. Aus diesen Gründen wird Sprache (Dänisch, Englisch und Spanisch) als strukturelles Instrument in der Entwicklung des Stücks eingesetzt. Das Stück wird direkt im Ausstellungsraum von THE SHELTER PROJECT und unter den BesucherInnen aufgeführt.
Malvacías wurde in Venezuela geboren und lebt in Brooklyn, New York. Er ist Choreograph, Performer, Designer, Tanzlehrer und bildender Künstler. Er trat für die venezuelanische Gruppe Espacio Alterno und in Arbeiten von David Zambrano und Mark Tompkins auf. In New York tanzte er für Jeremy Nelson, John Jasperse, Marguerita Guergue, Yoshiko Chuma und in eigenen Choreografien. Er hat seine Arbeiten in Europa, Südamerika, Nordamerika und Asien sowie an vielen Aufführungsorten in New York präsentiert, u.a. im DTW, PS122, dem Danspace Project, The Kitchen, und Joyce Soho. Malvacías erhielt 2006 ein Stipendium für Choreografie der New York Foundation for the Arts. Seine Arbeit wurde u.a. von der Jerome Foundation, dem Multi-Arts Production Fund der Rockefeller Foundation, von Arts International und der venezuelanischen CONAC gefördert. >>site
KAREN MARSHALL / FOTOGRAFIE / NEW YORK, USA
Traditional Hogan (Round House)
Silbergelatine-Fotografie, Tintenstrahldruck auf Leinwand, selbstverlegtes Buch
Karen Marshall hat ein Jahrzehnt lang eine Gruppe Navajo-Indianer im Norden von Arizona fotografiert, die durch ein Gesetz dazu gezwungen wurden, die Gebiete ihrer Vorfahren zu verlassen. Die Kultur der Navajos ist aufs Engste mit der Erde verbunden. Die Erde ist das Rückgrat der Spiritualität der Navajos und das Herz ihrer Kosmologie. Marshalls Bild eines Navajo-Hogan (traditionelles Rundhaus) wird von Text auf Leinwand begleitet, der aus gegenwärtigen Definitionen von „Hogan“ im Internet zusammen gestellt wurde. Ein Hogan ist immer nach Osten orientiert um der aufgehenden Sonnen entgegen zu sehen und damit den BewohnerInnen ihre Verbindung mit den Zyklen des Universums in Erinnerung zu rufen. Marshall versucht den Verlauf zwischen ihrer Fotografie, die den Niedergang einer alten Lebensform bezeugt, und der bezugslosen Verkörperung durch Suchmaschinen zu verdeutlichen, die jetzt unsere Geschichte bestimmen.
Die New Yorker Fotografin Marshall dokumentiert amerikanische Sozialthemen. Seit 1985 arbeitet sie an einer Reihe von langfristigen Projekten, die das gesellschaftliche und psychologische Leben ihrer Subjekte innerhalb des amerikanischen Kontexts in den Blick nehmen. Ihre Arbeit bezieht sich oft auf Geschichten, die sich über viele Jahre erstrecken. Marshalls Interesse gilt der Nutzung von kollaborativen Medien und neuen Praktiken im Genre der Dokumentationsfotografie. Sie hat Förderungen der New York Foundation for the Arts sowie von privaten Stiftungen erhalten. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und sind Bestandteil mehrerer Sammlungen. Sie besitzt einen MFA in New Media des Transart Instituts und lehrt am International Center of Photography der New York University sowie den Maine Media Workshops. >>site
FREYA OLAFSON / AUDIO, VIDEO, PERFORMANCE / KANADA
A/S/L (age/sex/location)
Video, 2009
A/S/L (age/sex/location) gehört zu Olafsons AVATAR SERIE, die sich mit Methoden der Schaffung, Validierung und Verteilung einer eigenen Identität mittels Technologie und Internet befasst. Die Serie wird durch das Mantra „Ich poste, daher bin ich“ inspiriert: Internet-NutzerInnen legitimieren ihr Dasein, indem sie ihr Leben dokumentieren und auf persönlichen Webseiten und Blogs veröffentlichen. Die Arbeiten in dieser Serie stellen die Frage, weshalb wir den Wunsch haben, unser Leben zu teilen und zu veröffentlichen. In Bezug auf SHELTER stellt A/S/L (age/sex/location) die Frage nach der häuslichen Privatsphäre. Macht es der Heimcomputer möglich, in die Welt hinauszublicken, oder ermöglicht er es der Welt, hereinzuspionieren? A/S/L beschäftigt sich mit diesem Tausch zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit.
Olafson ist eine Medienkünstlerin, die mit Video, Audio, Malerei und Performance arbeitet. ihre Arbeiten wurde in internationalen Festivals und Galerien gezeigt, etwa dem Plug In Institute for Contemporary Art (Winnipeg), dem InterAccess Electronic Media Arts Center (Toronto), der Winnipeg Art Gallery, und der Kling&Bang Galleri (Reykjavic, Island). >>site
VICTORIA OSCARSSON / PROSAGEDICHT / USA-ÖSTERREICH
Shelter
Prosagedicht, 2010, geschrieben für THE SHELTER PROJECT
Oscarsson setzt sich mit dem Thema shelter in einem Prosagedicht mit ebendiesem Titel auseinander, das durch die vielfältigen Interpretationen dieser Thematik inspiriert ist. Ausgehend von alltäglichen Beobachtungen und persönlicher Philosophie beschreiben visuelle Kommentare oder Vignetten Polaritäten von Angst, Konflikt, Leiden, Glauben, positivem/negativem Karma, Mitgefühl, Ego, Verrat, hörbare und unhörbare Stimmen, Muster oder Nicht-Muster der Existenz, einer Geschichte der Anfänge und der Enden.
Oscarsson erwarb einen BA am Trinity College in Hartford (Connecticut, USA) und einen postgradualen Abschluss bei Sotheby’s, London. Sie arbeitet seit einundzwanzig Jahren im Kusntbereich, u.a. auch an der Oscarsson Hood Galery of Contemporary Art in New York City. Ihre lebenslange Leidenschaft für das Schreiben führte sie vor zwölf Jahren an die Jack Kerouac School of Disembodied Poetics in Colorado. Ihre Arbeiten wurden seither in verschiedenen literarischen Publikationen veröffentlicht. Victoria Oscarsson lebt seit 1991 in Wien.
HEIDI PHILLIPS / VIDEO / KANADA
Residual
Video, 2010
Residual ist ein Multimedia-Video, bei dem Phillips experimentelle Dunkelkammer-Techniken einsetzt, um Aufnahmen von verlassenen Farmen, Hütten und Kirchen zu manipulieren. Dieses einspurige Video ist Teil einer größeren Arbeit, welche aus der verlassenen Landschaft der Prärie ein apokalyptisch anmutendes Ödland macht. Residual lädt den Zuseher/die Zuseherin ein, vergessene Orte der Prärie als unsere eigenen, gespenstischen, seelenlosen Räume neu zu erleben.
Philips’ künstlerische Arbeit liegt zwischen experimentellem Film und Installationskunst. Ihre filmische Arbeit wurde bei Festivals wie der Berliner Transmediale und Images in Toronto gezeigt. Philips’ Installation Revival wurde im Frühling 2009 auf der Ace Art in Winnipeg gezeigt. Philips bestitzt einen MFA des Transart Institute. >>site
WOLFGANG SCHNEIDER / FOTOGRAFIE; VIDEO / ÖSTERREICH
LUMBAGO: Views of Heldenplatz
Fotografien, 2009
LUMBAGO: 10 Views of Heldenplatz ist eine Fotoserie, die am Abend vor dem österreichischen Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, entstanden ist. Die Bilder zeigen militärisches Gerät und junge Wehrdiener, die dieses vor den Nachtschwärmern schützen, die den zentral gelegenen Platz in der Nacht überqueren. Viele der jungen Männer sind weit von zu Hause weg. Sie kommen aus den Bundesländern, und manche von ihnen sind zum ersten Mal in der Hauptstadt. Ja, um Geschichte geht es hier auch. Und um junge Männer. Und vor allem um mich.
HAHA
Video, 2010
HAHA ist ein Experiment über Witze und deren Schutzfunktionen. Nach Sigmund Freuds berühmter Studie Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten machen Witze etwas wirklich Wichtiges: Sie beschützen uns vor und erlösen uns von unserem vielgestaltigen Verstand. HAHA ist dementsprechend auch ohne kunstgeschichtliche Voraussetzungen gut rezipierbar.
Schneider ist ein Künstler und Theoretiker, der eine Kochlehre in Salzburg absolviert und Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien studiert hat. Er konzentriert sich auf die Verbindungen zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden und Praktiken. Er realisiert Kommunikations- und Prozess-orientierte Projekte im öffentlichen/sozialen Raum und arbeitet mit Fotografie, Installationen, Video, Performance und Text. 1996–2000 Mitglied der KünstlerInnengruppe trans wien. Schneider arbeitet an der Schnittstelle von künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden und ihrer Praxis. Seine wichtigsten Arbeiten seit 2000 sind gemeinsame Arbeiten mit Beatrix Zobl. >>site
TRICIA SELLMER / MULTIMEDIA / KANADA
Shroud
Mixed Media, 2010, hergestellt für THE SHELTER PROJECT
In Sellmers Arbeit bezieht sich der Begriff shelter auf soziale Verhältnisse, vergängliche Bewegungen, politische Barometer, wirtschaftliche Benchmarks, und interne Selbstkonstruktionen. Shroud bezieht sich auf shelter als eine Form des Schutzes—ein Schutz, der nicht von der Dauerhaftigkeit von architektonischen Materialien kommt, sondern vom organischen, undurchsichtigen Ort der inneren Identität. Die Arbeit baut auf der klischeehaften Vorstellung eines seelischen Mantels oder der flüchtigen Hülle unserer Erfahrungen auf, auf unserem Gefühl für Örtlichkeit, Würde, Stolz und Selbstwert, welche unsere Sicherheit ausmachen (oder auch nicht). Zuhause ist dort, wo wir uns weniger oder mehr verletzlich fühlen.
Sellmer verwendet Kindheitserinnerungen, Schriften im Stil des Bewusstseinsstroms, Konversationen mit intimen Fremden und Freunden, überraschende Abenteuer, intensive Forschungen, Beobachtungen und eine lebhafte Fantasie, um die kodierten Punkte innerhalb einer vielschichtigen, multimedialen künstlerischen Arbeit zu verbinden. Sellmer hat an Residencies der International School of Painting, Drawing & Sculpture (Umbrien, Italien) und der School of Visual Arts in New York teilgenommen. Sie hat an der New York Studio School Zeichnen und am Emily Carr Institute of Art and Design Malerei studiert und besitzt Abschlüsse der University of British Columbia und der Thompson River University. Ihre Arbeiten wurden international in öffentlichen und privaten Galerien ausgestellt und in zahlreichen Medien besprochen, u.a. auch im kanadischen TV. >>site
