VORTRAGENDE

JOSEFINA ECHAVARRÍA ALVAREZ / SPEAKER / COLOMBIA

MigrantInnen als Bedrohung: Wie Sicherheitsdiskurse das Selbst und den Anderen/die Andere definieren
Vortrag, 2010, verfasst für THE SHELTER PROJECT

Die Frage des souveränen “Selbst” bezieht sich sowohl individuell als auch kollektiv auf die spezifische Vorstellung einer Identität, die Gewissheit darüber schaffen soll, wer und wo „wir” sind. Geschichten über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen im stabilen Zuhause ineinander. Das souveräne Selbst erfordert angesichts gewaltsamer Praktiken, die Gegen-Narrative in Umlauf setzen, unerwünschte Formen der Vielfalt sanktionieren, und nicht erwünschte Körper ausschließen sichere Narrative und sichere Räume. Die Kritik, dass solche Märchengeschichten von Einheitlichkeit und Zuhause nur durch Ausschluss hergestellt werden können, ist mittlerweile weit verbreitet. Doch trotz dieser Einsicht in akademischen Debatten gibt es eine ständig zunehmende Tendenz in der Migrationspolitik und in politischen Diskursen, ImmigrantInnen als Bedrohung zu behandeln. Die Migration ist zu einer Frage der Sicherheit geworden. Innerhalb dieses Rahmens problematisiert der Vortrag die Sicherung der Migration, indem er die gewaltsamen Versuche untersucht, ein sicheres Zuhause für „uns“ zu schaffen und „ihnen“ Zuflucht (shelter) zu verweigern. Die Widerstandspraktiken gegen dieses Sicherheitsdenken sind zahlreich, und ich wähle im Vortrag einige Strategien aus, die zeigen, wie alternative Identitäten des „Selbst“ und des/der „Anderen“ geschaffen werden könnten, wie sie einander implizieren, und wie unser „Zuhause“—unsere Orte der Zuflucht—anders gedacht werden könnten.

Josefina Echavarría Alvarez ist eine kolumbianische Forscherin und Lehrbeauftragte am MA-Program in Peace Studies an der Universität Innsbruck, sowie dem MA-Programm in Lateinamerika-Studien der Universität Wien. Ihr Forschungsinteresse konzentriert sich auf Fragen der Identität, der Sicherheit, und des Friedens. >>site
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MONIKA MOKRE   / VORTRAGENDE / WIEN

About the Right to Feel at Home
Vortrag, 2010, verfasst für THE SHELTER PROJECT

Der Vortrag von Dr. Mokre untersucht die widersprüchlichen Behauptungen in Bezug auf das „Sich-zu-Hause-Fühlen” und geht dabei von dem Spannungsverhältnis zwischen (nationaler) Staatsbürgerschaft und (freiwilliger und erzwungener) Mobilität aus. Diese Spannung ist in verschiedenen Diskursen repräsentiert, etwa dem rechtsextremen Vorstellungen einer nationalen Identität und einer Notwendigkeit, diese Identität gegen den Einfluss von MigrantInnen zu schützen; dem neoliberalen Diskurs über das Recht, oder sogar die Pflicht, der Mobilität; menschenrechtliche Diskurse über Asylsuchende und Nicht-europäische ImmigrantInnen; und Diskurse, welche diese Gruppen als potentiellle Bedrohung (nationaler, sub-nationaler oder supra-nationaler) Gemeinschaften darstellen. Ausgehend von strukturalistischen Theorien untersucht Dr. Mokre die notwendige Unvollständigkeit jeder Identität und das ebenso mächtige Verlangen nach Vollständigkeit. Sie vertritt die Auffassung, dass die Emotionalität solcher Diskurse mit der Schwierigkeit, die Prekarität der eigenen Identittät zu akzeptieren, zusammenhängt, und untersucht die gegenwärtige Suche nach Sündenböcken und die Forderung nach deren Eliminierung. Sie befasst sich auch mit der Frage, wie einander widersprechende Forderungen und Rechte auf das „Sich-zuHause-Fühlen“ in einer demokratischen Art und Weise verhandelt werden können.

Monika Mokre ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist Vorstandsmitglied von FOKUS, der Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und kulturpolitische Studien, und Vorsitzende des eipcp (european institute for progressive cultural policies). Ihre Forschungsschwerpunkte sind europäische Demokratie, Öffentlichkeit, Identität und Kulturpolitik. >>site view extended summary

WOLFGANG SÜTZL  /  VORTRAGENDER  /  ÖSTERREICH

Die Ent-Übersetzung von Shelter
Vortrag, 2010, verfasst für THE SHELTER PROJECT

Shelter ist ein schwer zu übersetzendes Wort. Das Vordringen der Übersetzungstheorien in politische und Kulturtheorien in der jüngeren Vergangenheit, und  der Umstand, dass shelter wie kaum ein anderer Begriff die Grenze zwischen Kultur und Politik kennzeichnet stellt den Ausgangspunkt für diesen Vortrag dar. In diesem versuche ich, ein Verständnis der politischen und kulturellen Dimensionen dieses Begriffs zu erarbeiten und ihre gegenseitige Bedingtheit zu verstehen, aber auch die Bedeutung von Aktivismus vor diesem Hintergrund. Ich werd mich mit der Wirkung der kulturellen Übersetzungstheorien in einer Zeit der schwindenden Universalität befassen. Mit Bezug auf Boris Buden, Gayatri Spivak, Chantal Mouffe und andere versuche ich dann eine Kritik der Kulturalisierung der Politik, und diese Kritik auf shelter anzuwenden. Welche Bedeutungen hat shelter jenseits der Dichotomie aus kulturellen Lesarten wie „Zuhause“ und dunklen biopolitischen Dispositiven wie „Bunker“? Welcher Aktivismus und welche Medien sind notwendig, um die Privatisierung von Lebensraum einerseits und die Verbreitung von Gefängnissen, Lagern und black spots andererseits zu überwinden? Kann shelter ent-übersetzt werden?

Wolfgang Sützl ist Medientheoretiker, Philosoph und Übersetzer. Er hat an verschiedenen Universitäten in Österreich und international gelehrt. Derzeit ist er mit einem Forschungsprojekt zu Medienaktivmus an der Universität Innsbruck beschäftigt. Jüngere Pubilkationen: Creating Insecurity (Hg. mit Geoff Cox) und Gewalt und Präzision (Hg. mit Doris Wallnöfer). >>site
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